An einem frühen Morgen in Prag

13. März 2009, 2359h CET

“In einer nicht fernen Nacht”

Der junge Mann, mich und eine Flasche Wein vor sich
und hinter sich eine Blitzkarriere als Geschäftsmann,
verstand viel von der Welt, nur die Welt verstand er nicht.
Manchmal vor dem Einschlafen dachte er darüber nach,
aber jung wie er war machten andere Gedanken auch Spass.
Er hatte Badezimmer, Telefone, Lichtschalter.
Danach schlief er ein und schlief gut, um am Orgen
wieder in einer Welt zu erwachen, die zu verstehen
er sich aus Zeitgründen keine Mühe gab.

Was er tat? Er kaufte, verkaufte, kaufte wieder
und war erfolgreich, weil er das Risiko liebte, den Anteil
der Lüge daran und das Geld. Die Welt blieb ihm trotzdem
ein Rätsel. Am liebsten hätte er sich, jung wie er war,
auch noch in die Ideen des Zufalls eingemischt.

In einer nicht fernen Nacht wird er schlecht schlafen
und aus dem Schlaf aufschrecken und es wissen, und
niemand und nichts, die Welt, das Geld, die Frauen
und die Frau, die er liebt, werden für ihn beten.

Wolf Wondratschek
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. März 2009

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